Aktuelle Informationen und Meldungen
aus dem Umfeld der CO2-Kompensation
Fehlende Ladepunkte bremsen E-Laster aus
Schwere Lkw werden elektrisch alltagstauglich und rechnen sich schneller als gedacht. Eine Spedition zeigt den Wandel, doch der Engpass bei Schnellladesäulen bremst den nächsten Schritt.
ALDINGEN – Seit 1995 hat laut Bundesverkehrsministerium die Verkehrsleistung im Güterverkehr auf den Straßen um 80 Prozent zugenommen. Seit die EU-Vorgaben verschärft wurden und 45 Prozent weniger CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2019 vorschreiben, ist die Branche im Aufbruch Richtung Elektrifizierung. 2030, so das Verkehrsministerium, soll ein Drittel des Güterverkehrs emissionsfrei fahren.
Eine Spedition hat sich hier mit zum Vorreiter gemacht: Die Gebrüder Weiss in Lauterach, Vorarlberg, mit 180 Standorten, einem Jahresumsatz von 2,73 Milliarden Euro und 8600 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sind seit 2018 in das Transportgeschäft mit E-Fahrzeugen eingestiegen.
Das umfasst die inzwischen vollelektrische Pkw-Flotte, die kleinen Tansporter für die Vor-Ort-Zustellung - und jetzt auch mehr und mehr die Diesel-Lkw. Derzeit fahren bei Weiss 18 schwere Transporter elektrisch und 260 dieselbetrieben. Das ist ein E-Anteil von sieben Prozent - deutlich mehr als in Deutschland gesamt in 2025 mit 2,6 und der EU mit 1,6 Prozent. Die Neuzulassungen sind 2025 laut dem Europäischen Herstellerverband allerdings um 51 Prozent auf 4991 im Vergleich zu 2024 angestiegen. Weiss will bis 2034 60 Prozent des Eigenfuhrparks CO2-neutral fahren. Und möglichst 40 Prozent der Fracht-Kooperationspartner. Spitzenreiter bei den Neuzulassungen von E-Lkw war die Schweiz mit 17,6 Prozent aller schweren Lkw. Deutschland liegt hier mit 3,8 Prozent Anteil an siebter Stelle in Europa. China zum Vergleich hatte 2025 bereits einen Marktanteil von 25 Prozent. Aber der Marktanteil der mittleren E-Vans und kleineren E-Lkw liegt in Europa schon bei 21 Prozent.
Laut der Deutschen Energieagentur DENA entspricht ein Kilowattpreis von 33 Cent einem Dieselpreis von 1,60 Euro. Vor dem Irankrieg wurden an öffentlichen Ladestationen bis zu 36 Cent verlangt, was das öffentliche Laden für Lkw unattraktiv gemacht habe. In Gegensatz zum Laden auf dem eigenen Hof. Seit dem Irankrieg ist das alles anders.
Momentan ist das Thema Treibstoff ein besonders großes. Laut Milence, dem ersten großangelegten Betreiber eines markenunabhängigen öffentlichen Ladenetzes für schwere Elektro-Lkw in Europa, haben sich durch die kriegsbedingten Öl- und Gaspreissteigerungen die Kosten um neun bis elf Cent pro Kilometer erhöht. Yvonne Reichardt, Niederlassungsleiterin der Gebrüder Weiss in Aldingen (Landkreis Tuttlingen), sagt: „Wir spüren den Irankrieg auch bei der Preisentwicklung der Treibstoffe. Diese Mehrkosten müssen wir weiter geben und das Verständnis ist kundenseitig auch vorhanden.“
„Was die Logistiker momentan ausbremst, ist die Ladeinfrastruktur“, sagt Reichardt. Am Firmensitz im österreischischen Lauterach versorgen zwei Trafostationen mit je 1600 kVA bis zu 16 Schnellladepunkte. Von denen, so Unternehmenssprecher Merlin Herrmann, seien schon acht aktiv. Ladedauer 60 bis 90 Minuten, wenn die Batterie leer ist. Alles mit eigenem Strom von der PV-Anlage oder Ökostrom, so Herrmann.
In Aldingen betreibt Weiss seit der Inbetriebnahme der Erweiterung eine eigene wassergekühlte Ladesäule. Diese wird vor allem von der Linie Vorarlberg-Freiburg genutzt. Aytekin Porsuklu fährt am Abend auf den Hof und stöpselt seinen eActros 600 von Mercedes Benz mit einem Griff an. Bis zu 500 Kilometer kommt er mit einer Ladung Strom. Wenn die Rückgewinnung bergab - etwa hinunter ins Höllental - dazukommt, sogar mehr. Extra zu bremsen, brauche er dann nicht mehr. Diese Stromrückgewinnungstechnik heißt rekuperieren.
Lkw-Fahrer laden beim Beund Entladen der Waren oder in ihren ohnehin vorgeschriebenen Pausen an Schnellladestationen oder gegebenenfalls länger an einer weniger starken, langsamen Ladestation.
2025 hat die EU-Kommission ein Förderprogramm für den Ausbau der E-Ladeinfrastruktur von 1,6 Milliarden Euro bewilligt. Die Verteilung der Zuschüsse verläuft bis in die Regionalverbände, wie Schwarzwald-Baar-Heuberg, wo 200.000 Euro für die Planung zur Verfügung stehen.
Der Bedarf ist riesig: In Deutschland werden bis 2035 fast 14.000 öffentlich zugängliche und 34.000 Depotladepunkte auf den Betriebshöfen gebraucht. Laut Plänen des Verkehrsministeriums sollen bis 2030 zunächst etwa 4.200 Ladepunkte unterschiedlicher Stärke an 350 Rastanlagen (etwa 130 unbewirtschaftete, etwa 220 bewirtschaftete) entlang der Bundesautobahnen entstehen. Allerdings sollen 60 bis 80 Prozent aller Ladepunkte auf privatem Grund, etwa an den Depotund Logistikstandorten von Unternehmen, entstehen: 207.000 Ladepunkte bis zum Jahr 2035.
Dazu gibt es Förderprogramme des Landes, aber auch der Bund hat für 2026 ein Förderprogramm zum Aufbau dieser Infrastruktur angekündigt. Denn die Kosten sind nicht banal: Bei vorhandener Leitungsinfrastruktur rund 250.000 Euro pro Ladesäule, wie eine Internetrecherche zeigt. Bei einer Förderung von 40 Prozent könnte sich das, vor allem bei Eigenstromverbrauch innerhalb von fünf bis neun Jahren amortisieren.
„Es ist eine Herausforderung für die Disponenten bei der Planung der Routen. Wo gibt es zu welcher Zeit einen Ladepunkt, ist dieser frei?“, so die Aldinger Niederlassungsleiterin Reichardt. Aber: „Die Disponenten sind bereit für diesen Mehraufwand.“
Inzwischen sind auch in Lkw Apps verbaut, mit denen verfügbare Ladepunkte abgerufen werden können. Aber an allererster Stelle stehen, egal, mit welchem Treibstoff, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit - also genaue Planung, heißt es vom Unternehmen Gebrüder Weiss.
Wie viele Wirtschaftsplayer können auch sie vor allem eines nicht brauchen: einen Schlingerkurs. Die Aldinger Standortchefin Reichardt hat eine Bitte an die Politik: „Von der Politik würde ich mir wünschen, dass die Ladeinfrastruktur mehr im Fokus steht und schneller ausgebaut wird. Zuverlässige Aussagen und eine klare Richtung bei der EMobilität sind für unsere Planung und zukünftige Investitionen entscheidend.“
Logistikbranche vor milliardenschwerem Wandel
US-Rückzahlungen von 166 Milliarden Dollar und verschärfte EU-Importkontrollen zwingen deutsche Logistiker zu massiven Anpassungen.
Die globale Logistikbranche steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung: Während die US-Regierung mit einem milliardenschweren Rückzahlungsprogramm beginnt, verschärfen die europäischen Behörden die Importkontrollen. Für deutsche Unternehmen bedeutet das massive Umstellungen.
166 Milliarden Dollar Rückzahlung – und was sie für die Branche bedeutet
Der Auslöser für den beispiellosen Rückzahlungsprozess ist ein Gerichtsurteil. Es erklärte Zölle, die auf Grundlage eines Notstandsgesetzes von 1977 verhängt wurden, für rechtswidrig. Seit dem 20. April arbeiten die US-Behörden nun daran, rund 166 Milliarden Dollar an mehr als 330.000 betroffene Unternehmen zurückzuzahlen.
Doch die Entlastung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die heimischen Treibstoffpreise sind um 30 Prozent gestiegen, Benzin kostet in den USA inzwischen über vier Dollar pro Gallone. Analysten von Morgan Stanley rechnen vor: Umgerechnet auf die Steuerzahler entspricht die Rückzahlung etwa 3.462 Dollar pro Haushalt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, denn die steigenden Energiekosten fressen einen Großteil der Entlastung wieder auf.
New York und Kalifornien klagen gegen Kürzungen
Während die einen aufatmen, kämpfen andere ums Überleben. New York und Kalifornien haben rechtliche Schritte gegen das US-Verkehrsministerium eingeleitet. Der Grund: drastische Mittelkürzungen. Allein New York verklagte die Behörden am 26. April wegen des Verlusts von rund 73,5 Millionen Dollar an Bundesmitteln. Kalifornien folgte mit einer Klage über 158,3 Millionen Dollar.
Der Streit entzündet sich an der Ausstellung von Führerscheinen für nicht-ansässige Personen. Die Bundesbehörden werfen New York vor, Lizenzen über das Ablaufdatum von Einwanderungsdokumenten hinaus verlängert zu haben. Die Kürzungen sollen im Haushaltsjahr 2027 wirksam werden, das im Oktober beginnt.
Strengere Kontrollen: Gesichtserkennung für Lkw-Fahrer
Die US-Aufsichtsbehörde FMCSA verschärft derweil die Überwachung von Fahrerqualifikationen. Seit dem 27. April gelten strengere Identitätsprüfungen für das Drogen- und Alkoholregister, das über sechs Millionen Nutzer umfasst. Gemeinsam mit Technologiepartnern wie IDEMIA setzt die Behörde auf Verfahren, die denen des Heimatschutzministeriums an Flughäfen ähneln.
Das neue Online-Registrierungssystem „Motus“ soll im zweiten Quartal 2026 vollständig verfügbar sein. Es verlangt digitale Identitätschecks – inklusive Dokumentenscans und Gesichtserkennung – sowohl für Neubewerber als auch für 800.000 bereits registrierte Nutzer.
Europa schafft die Zollfreigrenze ab – was das für Online-Shopper bedeutet
Ab dem 1. Juli 2026 fällt in der EU die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro für Importe aus Nicht-EU-Ländern. Die Neuregelung zielt auf Wettbewerbsverzerrungen und Steuerbetrug ab. Schätzungen zufolge weisen 65 Prozent aller Pakete aus Drittstaaten falsche Wertangaben auf. Künftig wird eine pauschale Gebühr von drei Euro pro Artikel auf günstige Pakete von internationalen Online-Plattformen erhoben.
Deutsche Logistik unter Druck: Mindestlohn, CO2-Maut und neue Haftungsrisiken
Der Kostendruck in der deutschen Logistikbranche wächst. Seit Januar liegt der Mindestlohn bei 13,90 Euro, neue CO2-basierte Mautgebühren belasten die Margen zusätzlich. Die Anwaltskanzlei Taylor Wessing spricht von einem „Jahr des strukturellen Wandels“. Grund ist die Umsetzung der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD). Sie führt eine zivilrechtliche Haftung für die gesamte Lieferkette ein – Unternehmen müssen ihre Partner auf Compliance prüfen.
Hinzu kommt der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM). Seit 2026 sind Zertifikate für CO2-intensive Importe wie Stahl, Zement und Aluminium Pflicht. Logistikzentren werden zudem als kritische Infrastruktur eingestuft, was nach der NIS-2-Richtlinie verschärfte IT-Sicherheitsstandards und persönliche Haftung für das Management bei Cybersicherheitsverstößen bedeutet.
Razzien in Kiel und Hamburg: Organisierte Kriminalität im Fokus
Die Sicherheitslage bleibt angespannt. Ende April führte der deutsche Zoll mehrere spektakuläre Einsätze durch. Am 23. April beschlagnahmte das Hauptzollamt Kiel auf der A1 mehr als 300.000 Tabletten kontrollierter Substanzen – die Lieferung war für Kopenhagen bestimmt. Im Hamburger Hafen entdeckten Beamte 690 Kilogramm Kokain, versteckt in einer Holzpellet-Lieferung aus Brasilien.
Die Zahlen des Analyseunternehmens Verisk CargoNet belegen das Ausmaß: Im ersten Quartal 2026 wurden 767 Lieferketten-Delikte registriert, der geschätzte Schaden liegt bei 131,58 Millionen Dollar. Besonders betroffen: New Jersey mit einem Anstieg von 119 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Organisierte Banden setzen zunehmend auf Identitätsdiebstahl und die Übernahme von Speditionen.
Digitale Lösungen als Antwort auf die Krise
Die Behörden setzen auf Digitalisierung. In der Schweiz übernahm die Aufsichtsbehörde RailCom am 1. Januar die Kontrolle über den Rhein-Hafen-Zugang, um diskriminierungsfreien Transport zu gewährleisten. Bis 2027 sollen Echtzeit-Infrastrukturdaten öffentlich zugänglich sein. Auch die EU-Kommission hat die Regeln für Technologietransfers aktualisiert – ab dem 1. Mai gelten neue Richtlinien für Datenlizenzen, ein Schlüsselbereich für die automatisierte Logistik.
Ausblick: Handelsgespräche und Steuersenkung als Rettungsanker?
Die Branche blickt verhalten optimistisch auf den Sommer. Die US-Rückzahlung von 166 Milliarden Dollar verschafft zwar Luft, doch die langfristige Stabilität hängt von den anstehenden Handelsgesprächen ab. Am 6. Mai beginnen neue Verhandlungen, ein Rahmenabkommen soll bis zum 24. Juli stehen. Für deutsche Seehäfen sind diese Gespräche existenziell: Die BLG Group meldete für 2025 einen Umsatzrückgang von 4,5 Prozent – verursacht durch US-Zölle und die schwache Weltwirtschaft.
Die Bundesregierung hat reagiert: Vom 1. Mai bis 30. Juni wird die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter (inklusive Mehrwertsteuer) senkt. Eine Atempause inmitten von regionalen Konflikten und hoher Inflation.
Doch die nächste Herausforderung wartet bereits: Der AI Act wird am 2. August 2026 in weiten Teilen anwendbar. Dann müssen Unternehmen in Compliance und Datenmanagement investieren, während KI-Agenten zunehmend die Optimierung der Lieferketten übernehmen. Die Branche steht vor einem Spagat zwischen Resilienz, digitaler Integration und strenger Haftung.
Ammoniak statt Diesel: Wie schwere Nutzfahrzeuge fast CO2-frei werden können
Die RWTH Aachen und der Entwicklungsdienstleister FEV haben auf dem Wiener Motorensymposium gezeigt, dass schwere Nutzfahrzeuge auch mit Verbrennungsmotor fast CO2-frei werden können, wenn sie grünes Ammoniak nutzen.
Schon während des Zweiten Weltkriegs wurde Ammoniak als Kraftstoff in Verbrennungsmotoren eingesetzt. Damals drohte in Europa eine Verknappung von Erdöl – sicherlich ernsthafter als heute durch den Iran-Krieg. Das Ammoniak wurde natürlich nicht „grün“ mithilfe von Ökostrom hergestellt, der CO2-Ausstoß spielte keine Rolle.




