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aus dem Umfeld der CO2-Kompensation


03.05.2026

Feh­lende Lade­punkte brem­sen E-Laster aus

Schwere Lkw wer­den elek­trisch all­tags­taug­lich und rech­nen sich schnel­ler als gedacht. Eine Spe­di­tion zeigt den Wan­del, doch der Eng­pass bei Schnell­la­de­säu­len bremst den näch­sten Schritt.

ALDINGEN – Seit 1995 hat laut Bun­des­ver­kehrs­mi­ni­ste­rium die Ver­kehrs­lei­stung im Güter­ver­kehr auf den Stra­ßen um 80 Pro­zent zuge­nom­men. Seit die EU-Vor­ga­ben ver­schärft wur­den und 45 Pro­zent weni­ger CO2-Emis­sio­nen bis 2030 im Ver­gleich zu 2019 vor­schrei­ben, ist die Bran­che im Auf­bruch Rich­tung Elek­tri­fi­zie­rung. 2030, so das Ver­kehrs­mi­ni­ste­rium, soll ein Drit­tel des Güter­ver­kehrs emis­si­ons­frei fah­ren.

Eine Spe­di­tion hat sich hier mit zum Vor­rei­ter gemacht: Die Gebrü­der Weiss in Lau­ter­ach, Vor­arl­berg, mit 180 Stand­orten, einem Jah­res­um­satz von 2,73 Mil­li­ar­den Euro und 8600 Mit­ar­bei­tern und Mit­ar­bei­te­rin­nen sind seit 2018 in das Trans­port­ge­schäft mit E-Fahr­zeu­gen ein­ge­stie­gen.

Das umfasst die inzwi­schen voll­elek­tri­sche Pkw-Flotte, die klei­nen Tans­por­ter für die Vor-Ort-Zustel­lung - und jetzt auch mehr und mehr die Die­sel-Lkw. Der­zeit fah­ren bei Weiss 18 schwere Trans­por­ter elek­trisch und 260 die­sel­be­trie­ben. Das ist ein E-Anteil von sie­ben Pro­zent - deut­lich mehr als in Deutsch­land gesamt in 2025 mit 2,6 und der EU mit 1,6 Pro­zent. Die Neu­zu­las­sun­gen sind 2025 laut dem Euro­päi­schen Her­stel­ler­ver­band aller­dings um 51 Pro­zent auf 4991 im Ver­gleich zu 2024 ange­stie­gen. Weiss will bis 2034 60 Pro­zent des Eigen­fuhr­parks CO2-neu­tral fah­ren. Und mög­lichst 40 Pro­zent der Fracht-Koope­ra­ti­ons­part­ner. Spit­zen­rei­ter bei den Neu­zu­las­sun­gen von E-Lkw war die Schweiz mit 17,6 Pro­zent aller schwe­ren Lkw. Deutsch­land liegt hier mit 3,8 Pro­zent Anteil an sieb­ter Stelle in Europa. China zum Ver­gleich hatte 2025 bereits einen Markt­an­teil von 25 Pro­zent. Aber der Markt­an­teil der mitt­le­ren E-Vans und klei­ne­ren E-Lkw liegt in Europa schon bei 21 Pro­zent.

Laut der Deut­schen Ener­gie­agen­tur DENA ent­spricht ein Kilo­watt­preis von 33 Cent einem Die­sel­preis von 1,60 Euro. Vor dem Iran­krieg wur­den an öffent­li­chen Lade­sta­tio­nen bis zu 36 Cent ver­langt, was das öffent­li­che Laden für Lkw unat­trak­tiv gemacht habe. In Gegen­satz zum Laden auf dem eige­nen Hof. Seit dem Iran­krieg ist das alles anders.

Momen­tan ist das Thema Treib­stoff ein beson­ders großes. Laut Milence, dem ersten groß­an­ge­leg­ten Betrei­ber eines mar­ke­nu­n­ab­hän­gi­gen öffent­li­chen Lade­net­zes für schwere Elek­tro-Lkw in Europa, haben sich durch die kriegs­be­ding­ten Öl- und Gas­preis­stei­ge­run­gen die Kosten um neun bis elf Cent pro Kilo­me­ter erhöht. Yvonne Reich­ardt, Nie­der­las­sungs­lei­te­rin der Gebrü­der Weiss in Aldin­gen (Land­kreis Tutt­lin­gen), sagt: „Wir spü­ren den Iran­krieg auch bei der Preis­ent­wick­lung der Treib­stoffe. Diese Mehr­ko­sten müs­sen wir wei­ter geben und das Ver­ständ­nis ist kun­den­sei­tig auch vor­han­den.“

„Was die Logi­sti­ker momen­tan aus­bremst, ist die Ladein­fra­struk­tur“, sagt Reich­ardt. Am Fir­men­sitz im öster­rei­schi­schen Lau­ter­ach ver­sor­gen zwei Tra­fo­sta­tio­nen mit je 1600 kVA bis zu 16 Schnell­la­de­punkte. Von denen, so Unter­neh­mens­spre­cher Mer­lin Herr­mann, seien schon acht aktiv. Lade­dauer 60 bis 90 Minu­ten, wenn die Bat­te­rie leer ist. Alles mit eige­nem Strom von der PV-Anlage oder Ökostrom, so Herr­mann.

In Aldin­gen betreibt Weiss seit der Inbe­trieb­nahme der Erwei­te­rung eine eigene wasser­ge­kühlte Lade­säule. Diese wird vor allem von der Linie Vor­arl­berg-Frei­burg genutzt. Ayte­kin Por­suklu fährt am Abend auf den Hof und stöp­selt sei­nen eAc­tros 600 von Mer­ce­des Benz mit einem Griff an. Bis zu 500 Kilo­me­ter kommt er mit einer Ladung Strom. Wenn die Rück­ge­win­nung bergab - etwa hin­un­ter ins Höl­len­tal - dazu­kommt, sogar mehr. Extra zu brem­sen, brau­che er dann nicht mehr. Diese Strom­rück­ge­win­nungs­tech­nik heißt reku­pe­rie­ren.

Lkw-Fah­rer laden beim Beund Ent­la­den der Waren oder in ihren ohne­hin vor­ge­schrie­be­nen Pau­sen an Schnell­la­de­sta­tio­nen oder gege­be­nen­falls län­ger an einer weni­ger star­ken, lang­sa­men Lade­sta­tion.

2025 hat die EU-Kom­mis­sion ein För­der­pro­gramm für den Aus­bau der E-Ladein­fra­struk­tur von 1,6 Mil­li­ar­den Euro bewil­ligt. Die Ver­tei­lung der Zuschüsse ver­läuft bis in die Regio­nal­ver­bände, wie Schwarz­wald-Baar-Heu­berg, wo 200.000 Euro für die Pla­nung zur Ver­fü­gung ste­hen.

Der Bedarf ist rie­sig: In Deutsch­land wer­den bis 2035 fast 14.000 öffent­lich zugäng­li­che und 34.000 Depot­la­de­punkte auf den Betriebs­hö­fen gebraucht. Laut Plä­nen des Ver­kehrs­mi­ni­ste­ri­ums sol­len bis 2030 zunächst etwa 4.200 Lade­punkte unter­schied­li­cher Stärke an 350 Rast­an­la­gen (etwa 130 unbe­wirt­schaf­tete, etwa 220 bewirt­schaf­tete) ent­lang der Bun­des­au­to­bah­nen ent­ste­hen. Aller­dings sol­len 60 bis 80 Pro­zent aller Lade­punkte auf pri­va­tem Grund, etwa an den Depotund Logi­stik­stand­orten von Unter­neh­men, ent­ste­hen: 207.000 Lade­punkte bis zum Jahr 2035.

Dazu gibt es För­der­pro­gramme des Lan­des, aber auch der Bund hat für 2026 ein För­der­pro­gramm zum Auf­bau die­ser Infra­struk­tur ange­kün­digt. Denn die Kosten sind nicht banal: Bei vor­han­de­ner Lei­tungs­in­fra­struk­tur rund 250.000 Euro pro Lade­säule, wie eine Inter­net­re­cher­che zeigt. Bei einer För­de­rung von 40 Pro­zent könnte sich das, vor allem bei Eigen­strom­ver­brauch inner­halb von fünf bis neun Jah­ren amor­ti­sie­ren.

„Es ist eine Her­aus­for­de­rung für die Dis­po­nen­ten bei der Pla­nung der Rou­ten. Wo gibt es zu wel­cher Zeit einen Lade­punkt, ist die­ser frei?“, so die Aldin­ger Nie­der­las­sungs­lei­te­rin Reich­ardt. Aber: „Die Dis­po­nen­ten sind bereit für die­sen Mehr­auf­wand.“

Inzwi­schen sind auch in Lkw Apps ver­baut, mit denen ver­füg­bare Lade­punkte abge­ru­fen wer­den kön­nen. Aber an aller­er­ster Stelle ste­hen, egal, mit wel­chem Treib­stoff, Zuver­läs­sig­keit und Pünkt­lich­keit - also genaue Pla­nung, heißt es vom Unter­neh­men Gebrü­der Weiss.

Wie viele Wirt­schafts­player kön­nen auch sie vor allem eines nicht brau­chen: einen Schlin­ger­kurs. Die Aldin­ger Stand­ort­che­fin Reich­ardt hat eine Bitte an die Poli­tik: „Von der Poli­tik würde ich mir wün­schen, dass die Ladein­fra­struk­tur mehr im Fokus steht und schnel­ler aus­ge­baut wird. Zuver­läs­sige Aus­sa­gen und eine klare Rich­tung bei der EMo­bi­li­tät sind für unsere Pla­nung und zukünf­tige Inve­sti­tio­nen ent­schei­dend.“

Schwäbische Zeitung 28.04.2026


28.04.2026

Logistikbranche vor milliardenschwerem Wandel

US-Rückzahlungen von 166 Milliarden Dollar und verschärfte EU-Importkontrollen zwingen deutsche Logistiker zu massiven Anpassungen.

Die globale Logistikbranche steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung: Während die US-Regierung mit einem milliardenschweren Rückzahlungsprogramm beginnt, verschärfen die europäischen Behörden die Importkontrollen. Für deutsche Unternehmen bedeutet das massive Umstellungen.

166 Milliarden Dollar Rückzahlung – und was sie für die Branche bedeutet

Der Auslöser für den beispiellosen Rückzahlungsprozess ist ein Gerichtsurteil. Es erklärte Zölle, die auf Grundlage eines Notstandsgesetzes von 1977 verhängt wurden, für rechtswidrig. Seit dem 20. April arbeiten die US-Behörden nun daran, rund 166 Milliarden Dollar an mehr als 330.000 betroffene Unternehmen zurückzuzahlen.

Doch die Entlastung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die heimischen Treibstoffpreise sind um 30 Prozent gestiegen, Benzin kostet in den USA inzwischen über vier Dollar pro Gallone. Analysten von Morgan Stanley rechnen vor: Umgerechnet auf die Steuerzahler entspricht die Rückzahlung etwa 3.462 Dollar pro Haushalt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, denn die steigenden Energiekosten fressen einen Großteil der Entlastung wieder auf.

New York und Kalifornien klagen gegen Kürzungen

Während die einen aufatmen, kämpfen andere ums Überleben. New York und Kalifornien haben rechtliche Schritte gegen das US-Verkehrsministerium eingeleitet. Der Grund: drastische Mittelkürzungen. Allein New York verklagte die Behörden am 26. April wegen des Verlusts von rund 73,5 Millionen Dollar an Bundesmitteln. Kalifornien folgte mit einer Klage über 158,3 Millionen Dollar.

Der Streit entzündet sich an der Ausstellung von Führerscheinen für nicht-ansässige Personen. Die Bundesbehörden werfen New York vor, Lizenzen über das Ablaufdatum von Einwanderungsdokumenten hinaus verlängert zu haben. Die Kürzungen sollen im Haushaltsjahr 2027 wirksam werden, das im Oktober beginnt.

Strengere Kontrollen: Gesichtserkennung für Lkw-Fahrer

Die US-Aufsichtsbehörde FMCSA verschärft derweil die Überwachung von Fahrerqualifikationen. Seit dem 27. April gelten strengere Identitätsprüfungen für das Drogen- und Alkoholregister, das über sechs Millionen Nutzer umfasst. Gemeinsam mit Technologiepartnern wie IDEMIA setzt die Behörde auf Verfahren, die denen des Heimatschutzministeriums an Flughäfen ähneln.

Das neue Online-Registrierungssystem „Motus“ soll im zweiten Quartal 2026 vollständig verfügbar sein. Es verlangt digitale Identitätschecks – inklusive Dokumentenscans und Gesichtserkennung – sowohl für Neubewerber als auch für 800.000 bereits registrierte Nutzer.

Europa schafft die Zollfreigrenze ab – was das für Online-Shopper bedeutet

Ab dem 1. Juli 2026 fällt in der EU die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro für Importe aus Nicht-EU-Ländern. Die Neuregelung zielt auf Wettbewerbsverzerrungen und Steuerbetrug ab. Schätzungen zufolge weisen 65 Prozent aller Pakete aus Drittstaaten falsche Wertangaben auf. Künftig wird eine pauschale Gebühr von drei Euro pro Artikel auf günstige Pakete von internationalen Online-Plattformen erhoben.

Deutsche Logistik unter Druck: Mindestlohn, CO2-Maut und neue Haftungsrisiken

Der Kostendruck in der deutschen Logistikbranche wächst. Seit Januar liegt der Mindestlohn bei 13,90 Euro, neue CO2-basierte Mautgebühren belasten die Margen zusätzlich. Die Anwaltskanzlei Taylor Wessing spricht von einem „Jahr des strukturellen Wandels“. Grund ist die Umsetzung der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD). Sie führt eine zivilrechtliche Haftung für die gesamte Lieferkette ein – Unternehmen müssen ihre Partner auf Compliance prüfen.

Hinzu kommt der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM). Seit 2026 sind Zertifikate für CO2-intensive Importe wie Stahl, Zement und Aluminium Pflicht. Logistikzentren werden zudem als kritische Infrastruktur eingestuft, was nach der NIS-2-Richtlinie verschärfte IT-Sicherheitsstandards und persönliche Haftung für das Management bei Cybersicherheitsverstößen bedeutet.

Razzien in Kiel und Hamburg: Organisierte Kriminalität im Fokus

Die Sicherheitslage bleibt angespannt. Ende April führte der deutsche Zoll mehrere spektakuläre Einsätze durch. Am 23. April beschlagnahmte das Hauptzollamt Kiel auf der A1 mehr als 300.000 Tabletten kontrollierter Substanzen – die Lieferung war für Kopenhagen bestimmt. Im Hamburger Hafen entdeckten Beamte 690 Kilogramm Kokain, versteckt in einer Holzpellet-Lieferung aus Brasilien.

Die Zahlen des Analyseunternehmens Verisk CargoNet belegen das Ausmaß: Im ersten Quartal 2026 wurden 767 Lieferketten-Delikte registriert, der geschätzte Schaden liegt bei 131,58 Millionen Dollar. Besonders betroffen: New Jersey mit einem Anstieg von 119 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Organisierte Banden setzen zunehmend auf Identitätsdiebstahl und die Übernahme von Speditionen.

Digitale Lösungen als Antwort auf die Krise

Die Behörden setzen auf Digitalisierung. In der Schweiz übernahm die Aufsichtsbehörde RailCom am 1. Januar die Kontrolle über den Rhein-Hafen-Zugang, um diskriminierungsfreien Transport zu gewährleisten. Bis 2027 sollen Echtzeit-Infrastrukturdaten öffentlich zugänglich sein. Auch die EU-Kommission hat die Regeln für Technologietransfers aktualisiert – ab dem 1. Mai gelten neue Richtlinien für Datenlizenzen, ein Schlüsselbereich für die automatisierte Logistik.

Ausblick: Handelsgespräche und Steuersenkung als Rettungsanker?

Die Branche blickt verhalten optimistisch auf den Sommer. Die US-Rückzahlung von 166 Milliarden Dollar verschafft zwar Luft, doch die langfristige Stabilität hängt von den anstehenden Handelsgesprächen ab. Am 6. Mai beginnen neue Verhandlungen, ein Rahmenabkommen soll bis zum 24. Juli stehen. Für deutsche Seehäfen sind diese Gespräche existenziell: Die BLG Group meldete für 2025 einen Umsatzrückgang von 4,5 Prozent – verursacht durch US-Zölle und die schwache Weltwirtschaft.

Die Bundesregierung hat reagiert: Vom 1. Mai bis 30. Juni wird die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter (inklusive Mehrwertsteuer) senkt. Eine Atempause inmitten von regionalen Konflikten und hoher Inflation.

Doch die nächste Herausforderung wartet bereits: Der AI Act wird am 2. August 2026 in weiten Teilen anwendbar. Dann müssen Unternehmen in Compliance und Datenmanagement investieren, während KI-Agenten zunehmend die Optimierung der Lieferketten übernehmen. Die Branche steht vor einem Spagat zwischen Resilienz, digitaler Integration und strenger Haftung.

Zur Website www.ad-hoc-news.de


27.04.2026

Ammoniak statt Diesel: Wie schwere Nutzfahrzeuge fast CO2-frei werden können

Die RWTH Aachen und der Entwicklungsdienstleister FEV haben auf dem Wiener Motorensymposium gezeigt, dass schwere Nutzfahrzeuge auch mit Verbrennungsmotor fast CO2-frei werden können, wenn sie grünes Ammoniak nutzen.

Schon während des Zweiten Weltkriegs wurde Ammoniak als Kraftstoff in Verbrennungsmotoren eingesetzt. Damals drohte in Europa eine Verknappung von Erdöl – sicherlich ernsthafter als heute durch den Iran-Krieg. Das Ammoniak wurde natürlich nicht grün“ mithilfe von Ökostrom hergestellt, der CO2-Ausstoß spielte keine Rolle.

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